Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist in Deutschland seit mehr als 30 Jahren vorgeschrieben. Es soll den Verbraucher darüber informieren, bis wann das Produkt seine typischen Eigenschaften wie Geschmack, Geruch, Konsistenz, Nährwerte etc. behält. Es ist, wenn man so will, eine Art Garantie für diese Werte. Mehr nicht. Es ist definitiv nicht das Datum, an dem das Lebensmittel nicht mehr genießbar ist und deshalb entsorgt werden sollte.

In vielen Haushalten ist aber genau das der Fall. Auf jeden Bundesbürger entfallen 82kg Lebensmittelabfall jährlich. Meist werden die Produkte dann weggeworfen, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum, das immer wieder mit dem Verfallsdatum verwechselt wird, überschritten wurde.

Dass man Joghurt oft noch 2 Monate nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum essen kann, das kann man natürlich nur herausfinden, wenn man den Deckel auch mal abmacht und daran wenigstens einmal riecht. Der nächste Schritt wäre dann ein Probieren und – großes Erstaunen – er schmeckt ja immer noch! Eier, die im Kühlschrank lagerten, sollen noch 14 Tage nach dem Mindestdatum genießbar sein. Zum Beispiel im Kuchen oder vorsichtshalber hart abgekocht. Bei Käse macht der Mozzarella am ehesten schlapp. Alle anderen Käsesorten einfach anschauen und selbst entscheiden, ob man sie noch essen kann. Auch Milch hält sich, gut gelagert, noch länger.

Aufpassen muss man bei Fisch und Fleisch. Hackfleisch und Geflügel müssen ein Verfallsdatum tragen, dies sollte man nicht überschreiten.

Wie aber sieht es mit Reis, Nudeln, Kaffee, Tee, Salz und Hartkäse wie Parmesan aus? Hier erwägt die EU eine Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums, um die Verbraucher nicht weiter zu verunsichern. Dass auch Konserven scheinbar ewig haltbar sind, sollte eigentlich inzwischen allgemein bekannt sein, denn es gibt regelmäßig im TV Sendungen, die darüber aufklären, dass in Konserven Eingekochtes, das 30 Jahre und älter ist, nicht weggeworfen werden muss. Oft werden Zuschauer aufgefordert, ihre ältesten Konserven einzusenden und einige hartgesottene Moderatoren dürfen davon probieren. Lebensmittelchemiker fanden bei einer solchen Gelegenheit bei einer 57 Jahre alten Konserve keine gesundheitsbedenklichen Bakterien, lediglich der Geschmack war inzwischen fad.

Fünf oder 10 Jahre Überlagerung sollten unter den bekannten Umständen doch wirklich kein Problem sein. Hier muss definitiv noch mehr Aufklärung erfolgen.

Leider gelingt es auch mir nicht, mein Umfeld von dieser Tatsache zu überzeugen. Ich kann inzwischen einige Produkte nicht mehr vertragen und versuche, die entsprechenden Konserven (für Notzeiten, ansonsten wird immer frisch gekocht!) an Bekannte zu verschenken. Sobald das Mindesthaltbarkeitsdatum auch nur annnähernd erreicht wurde, sagt man „Nein danke!“ Zu fest sitzt der Glaube, dass man daran “sterben könnte”.

Dieselben Leute haben aber keine Probleme damit, rohen Fisch oder rohe Schweinemett zu essen.

16 Prozent des Metts war in einem Test, den die Grünen im Bundestag in Auftrag gegeben haben, mit anitibiotikaresistenten Keimen belastet. Getestet wurden 50 Proben. Und „roher Fisch ist ein Risiko und für exponierte Gruppen wie Schwangere, Kinder, Immunsupprimierte und ältere Menschen abzulehnen“, erklärte der Ernährungswissenschaftler und Sachverständige für Lebensmittelhygiene, Andreas Schmölzer, gegenüber dem österreichischen Standard. Gefahr droht hier durch Listerien. Das Fatale daran ist, dass ein Erkrankter erst Wochen später die ersten Beschwerden in Form von grippeähnlichen Symptomen bekommt und somit gar keinen Bezug mehr zum rohen Fisch oder Fleisch herstellt. Zu immerhin 20 Prozent verläuft diese Erkrankung tödlich. Auch ein Fischbandwurm kann sich in rohem Fisch verstecken und zu zahlreichen unangenehmen Beschwerden führen. Allerdings ist er – oft wird er erst nach Jahren zufällig entdeckt – sehr leicht durch eine Wurmkur zu eliminieren.

Im Vergleich dazu abgelaufene Konserven geradezu harmlos und fast uneingeschränkt zu empfehlen. Zumindest wenn man Hunger hat und sonst nichts im Kühlschrank ist.